Inneres des Panthers

  1. Ich weiß nicht mehr, wie lange ich schon hier bin. Die Stäbe vor meinen Augen haben meine Welt verändert. Sie stehen immer da, unbeweglich wie ein fremder Wald aus hartem Metall. Früher sah ich in die Ferne, jetzt sehe ich nur Linien. Und je länger ich sie anstarre, desto mehr habe ich das Gefühl, dass sie mir in die Gedanken wachsen.

    Man sagt, ein Panther sei stark, und vielleicht war ich das einmal. Doch heute kreise ich nur noch immer dieselbe Runde Schritt für Schritt, als hätte mein Körper vergessen, dass es eigentlich Freiheit gibt. Meine Pfoten setzen auf den immer gleichen Boden, und selbst mein Herz schlägt in diesem eintönigen
    Rhythmus.ﮩ٨ـﮩﮩ٨ـ♡ﮩ٨ـﮩﮩ٨ـﮩ٨ـﮩﮩ٨ـ♡ﮩ٨ـﮩﮩ٨ـ

    Was mich am meisten schmerzt, ist mein Blick. Früher war er wach, voll von Jagd, Licht und Wildnis. Jetzt ist er müde. So müde, dass er kaum noch festhalten kann, was vor ihm liegt. Manchmal dringt ein Bild durch die Schleier meiner Augen – ein Sonnenstrahl, ein Blatt, das sich bewegt, ein Mensch, der stehen bleibt – aber es verschwindet sofort wieder, wie ein Traum, der zu zart ist, um zu bleiben.

    Ich frage mich, ob irgendwo tief in mir noch der Panther lebt, der ich einmal war. Der in offenen Landschaften lief, dessen Muskeln vor Kraft gespannt waren, dessen Herz im Einklang mit dem Wind schlug. Vielleicht ist er noch da. Vielleicht. Doch hier im Käfig verklingt sein Echo jeden Tag ein bisschen mehr.
    Und trotzdem gibt es Momente, in denen ein Bild, ein Gefühl, ein Hauch von Erinnerung mich erreicht.
    Dann spüre ich für einen Atemzug, wer ich bin. Oder wer ich war. Aber genauso schnell kehrt die Stille zurück.

1 Gedanke zu „Inneres des Panthers“

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