Fast eine Romanze – aus der Sicht der Frau

Ich trat nur ein, ein fremder Tag,
die Sonne hing noch träge über den Dächern,
und suchte mir im halbvollen Raum
einen Platz für meinen kurzen Aufenthalt.

Ich spürte Blicke, diese leisen,
die man erst bemerkt, wenn man innehält.
Ein Rascheln, ein Zögern in der Luft,
als hätte jemand gerade beschlossen, nicht zu atmen.

Ich trank meinen Kaffee,
strich mir das Haar aus dem Gesicht,
tippte eine Nachricht, die zu lange wartete
Eine an meinen Freund, der später vorbeikommen wollte 
und ließ meine Gedanken schweifen.

Und doch war da etwas—
ein Funken, kaum benannt,
als ich aufstand, um zu gehen.
Ein Blick, der meinen kurz berührte,
flüchtig wie ein Windstoß,
und doch warm genug,
um einen Punkt in mir zu hinterlassen.

Vielleicht sah er mich später,
als ich schon draußen war,
mein Kleid im Licht,
als gehörte ich für einen Atemzug
mehr in seine Welt als in meine eigene.

Doch ich ging weiter.
Zu jemandem, der auf mich wartete,
der meine Hand kennt und mein Lachen.

So wie man immer weitergeht,
wenn ein schöner Moment nicht bleiben darf—
leicht, aber mit einem sanft brennenden Nachhall,
den man erst später bemerkt,

wenn der Tag schon fast vergangen ist.

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